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Heidi Z’graggen: «Wir haben eine extreme Zuwanderung, von der die Bevölkerung nicht profitiert», Ep. 59

Die Urner Ständerätin (Mitte) über die Stromversorgung im Winter, Solaranlagen in den Bergen und warum ihr die Zuwanderung und die 10-Millionen-Schweiz Sorgen bereiten.

image 6. August 2022, 09:00

Heidi Z’graggen verlangt eine saubere Gesetzesgrundlage für die geplanten grossen Solaranlagen in den Alpen. Für viele ist die Präsidentin der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission deshalb eine Bremserin der Energiestrategie. Sie selbst sieht es anders. «Heute sind die Anlagen nicht bewilligungsfähig. Ein Spezialgesetz macht sie erst möglich.» Es gehe nicht um kleine Installationen, sondern um Anlagen von zehn, zwanzig oder dreissig Fussballfeldern, gibt Z’graggen zu bedenken (Link zu einem Beschrieb des Projektes Gondosolar).
«Der Kopf sagt ja, aber das Herz sagt, es sind ja gigantische Flächen, die man da verbaut.» Die Politik müsse an beides denken. «Die Landschaft ist unsere Heimat, es geht um wunderbare Perlen unseres Landes.»

«Es fehlt die Gesamtstrategie»

Z’graggen fehlt bei der Stromversorgung die Gesamtstrategie. «Ich weiss nicht, was genau und wieviel Ausbau es braucht, da erwarte ich Antworten des Bundes.» Dann brauche es ein Gesamtpaket, das mit Kantonen, Energieunternehmen, Bund und Umweltverbänden ausgehandelt werde. Das sei der typisch schweizerische Weg, auch wenn es dafür Zeit brauche. «Es lohnt sich, dass wir mit Bedacht vorgehen.»
Aber genau dieses Gesamtpaket war doch eigentlich die Energiestrategie? Das lässt Z’graggen nicht gelten. «Es ist komplex, jetzt hat sich das Problem verschärft und es muss plötzlich schneller gehen.» Z’graggen ist sich bewusst, dass es für die Winterstromlücke Gaskraftwerke als «Rückfallposition» braucht. Und sie ist offen für Atomkraft, wenn die nächste Generation der Technologie erhältlich ist.

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Bloss: Solaranlagen in den Alpen und riesige Windkraftwerke sind nirgends populär. Was also tun? Z’graggen sieht das auch so. Das habe damit zu tun, dass die Bevölkerung an der Heimat hänge. «Da geht es um unsere Identität.» Deshalb brauche es eine saubere Planung. Die Zunahme der Bevölkerung und gleichzeitig der Ausstieg aus fossiler Energie beim Heizen und im Verkehr, das habe einen Preis.

«Es geht viel Lebensqualität verloren»

Das Bundesamt für Statistik rechnet mit zehn Millionen Einwohnern im Jahr 2040. Was sagt die Heimatschützerin Z’graggen, wo sollen diese Menschen wohnen? Die Urner Ständerätin macht sich genau deswegen Sorgen: «Wir haben in den letzten Jahren die Dörfer und Städte gegen innen verdichtet, wenn wir jetzt dort 10 Millionen Menschen wohnen lassen, dann geht viel Lebensqualität verloren.»
Man werde in die Höhe bauen müssen. «Wenn Zürich Klein-Manhattan sein will, dann ist das in Ordnung.» Z’graggen könnte sich aber auch vorstellen, den Bergkantonen wieder zu erlauben, mehr Bauland einzuzonen.

Zuwanderung steuern

Gleichzeitig findet Z’graggen, man müsse die Zuwanderung steuern. Sie setzt auf Massnahmen und Anreize, wie sie der Freiburger Ökonom Reiner Eichenberger ausgearbeitet hat (Link). «Wer in die Schweiz kommt, muss am Anfang etwas mehr Steuern bezahlen», findet Z’graggen.
«Wir haben eine extreme Zuwanderung. Sie kostet Energie, Flächen, Infrastruktur und als Bevölkerung, die schon da ist, dürfen wir bestimmen, wie die Zuwanderung gesteuert werden soll.» Zgraggen ist sich sicher, dass solche Forderungen kommen werden, auch weil die ansässige Bevölkerung von der Zuwanderung nicht profitiert habe.


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