Marco Rima: «Ein einziger falscher Satz kann das gesamte Programm ruinieren»

Der Publikumsliebling Marco Rima steht wieder auf der Bühne. Diesmal aber als Comedian und nicht mehr als Satiriker: Der Kabarettist über die Pandemie, den Krieg in Europa, die Medien und seine neue Ausrichtung.

image 24. Mai 2022, 18:00

Immer wieder spielte Marco Rima während der Pandemie mit dem Satz «Ich weiss es nicht!» Er wurde zum satirischen Markenzeichen. Mit demselben Motto tritt er auf die Bühne; nur geht es jetzt weder um Corona noch um Satire. «Ich habe alles gesagt, was es zu Carola - wie ich Corona nannte - zu sagen gibt», sagt Rima. Das Engagement als Redner an einer Corona-Demo hat ihn gebrandmarkt.
Du warst an einer einzigen Corona-Demo. Von da an warst Du Massnahmekritiker, Schwurbler. Hast Du es jemals bereut, an dieser Demo gesprochen zu haben?
Nein. Alles, was man macht im Leben, ist ein Resultat dessen, was man im Jetzt ist. Ich sitze jetzt da. Ein simples Beispiel: Hätte ich vor 20 Jahren die Schuhe nicht vor einem Aufzug gebunden, hätte ich den ersten Lift genommen und nicht den zweiten. Aber im Zweiten stand meine heutige Frau.
… Du hast aber Sponsoren verloren.
Ich würde es anders formulieren: Die Sponsoren haben sich entfernt. Sie fanden meine Rede nicht falsch, konnten aber nicht einschätzen, wie dies bei ihrer Kundschaft ankommt. Die Demo hatte nur deshalb einen negativen Nachgeschmack, weil man unberechtigterweise alle Leute in einen Topf warf und sie als schräge, komische Schwurbler oder Nazis bezeichnete.

Hier das vollständige Interview im Podcast
Inwiefern beeinflusst die geforderte politische Korrektheit Dein Programm schon beim Schreiben?
Meine Korrektive sind meine Frau und mein Mami – aus der anderen Zeit. Darüber hinaus diskutiere ich mein Programm mit meinen Sparringspartnern. Wir fragen uns heute immer wieder: Ist dieser eine Gag wirklich nötig? Verletzt er allenfalls eine Person? Ein einziger falscher Satz kann das gesamte Programm ruinieren.
Ein einziger Satz in Deiner Corona-Rede hat Dich gekillt. Du sagtest, niemand muss in den kommenden Monaten an Corona sterben. Dann hast Du Dich dafür entschuldigt…
Genau. In den beiden Sätzen vorher sprach ich: Ja, man kann an Corona erkranken. Ja, man kann an Corona sterben. Dann bin ich beim Ablesen in den Zeilen verrutscht. Der Hintergrund: Ich hatte wenige Tage zuvor den Grauen Star operieren lassen. Aber interessiert hat das nicht einmal meine Kollegen. Ich konnte mich nicht erklären. Es wurde sofort geurteilt; in dem Moment geriet ich in eine Maschinerie.
Deine Managerin, Deine Frau, erklärte mir, Marco wird dann nichts über Russland und die Ukraine beantworten. Ist das Deine neue Vorsicht, die Mutter der Porzellankiste?
Ich habe dazu eine Meinung, die ich täglich neu überprüfe. Aber ganz ehrlich: Krieg ist so schlimm und die Situation so verheerend, dass ich nur hoffen kann, dass sich die Diplomatie durchsetzt. Und ja, aufgrund meiner Erfahrung muss ich mich nicht nochmals aufs Glatteis begeben.


Der Corona-Massnahme-Kritiker ist im Januar 2021 selber an Corona erkrankt . Dies hat er durch Zufall erfahren, als er eine Computertomographie machte und man ihn im Spital auf Corona testete. Er selber wäre von einer Magen-Darm-Grippe ausgegangen. Nur zwei Tage blieb er im Spital, bis er sich von den Ärzten verabschiedete: Krank sein und sich auskurieren könne man zuhause, fand Rima. Es sei alles eine Frage der Verhältnismässigkeit, und Rima fügt an: «Jetzt alarmieren uns übrigens die Affenpocken.»
Affenpocken – ein gutes Wort für einen Comedian!
Ja, Superwort! Und eine Krankheit, die angeblich auch von einem Nagetier stammen sollte, weil die Affen, wie es in der Presse hiess, Nagetiere sein sollten. Ratten. Ratten sind übrigens Tiere mit Kanalisationshintergrund. Nein, es ist doch interessant, was sich abspielt: Die Presse kocht wieder ein Thema hoch.
Kannst Du konkret festmachen, dass die Presse die Angstmacher sind?
In dem Moment, wo sie wegen einer anderen Meinung sagen, du seist ein Nazi, ein Schwurbler und Antisemit, drängen sie dich in eine Ecke. Das ist Verleumdung. Die Presse hat Virologen eine Plattform geboten, die einseitig gewisse Studien zitieren konnten und selektiv jene zitiert, die behaupteten, es gebe 100’000 Tote in der Schweiz. Es gibt Ärztenetzwerke wie Aletheia, die dagegen halten. Aber kaum je sind in den Medien Experten von beiden Seiten aufeinander gelassen worden.


Statt Satire gibts vom Kabarettisten nun wieder eine Comedy-Show – ab dem 1. Juni. Inhaltlich dreht sich das Programm um das alltägliche Leben, es geht in einer Nummer darum, wie er seinem Sohn die Zeit zu erklären versucht. «Ich mache aus einer Fliege einen Elefanten – beispielsweise auch, wenn ich schlecht einparke und es danach fast zum Atomschlag kommt», sagt Rima. Die geplanten 13 Vorstellungen sind zu 60 Prozent gefüllt, also ungefähr so wie die Intensivstationen in den Spitälern.
Zwei Jahre lang ohne Bühne – bist Du besser geworden oder hast Du es verlernt?
Ich bin aufgeregt, positiv aufgeregt und freue mich. Ich glaube, das Programm ist besser. Mit dem Älterwerden sollte man ja auch immer besser werden.

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